So, da bin ich nun wieder in Berlin – auch wenn das nicht die wichtigste Nachricht der Woche ist.
Ich komme gerade von einem vier-semestrigen Studienaufenthalt von der Nordsee zurück, genauer gesagt aus Heide.
Ja genau, das berühmt Heide... berühmt für seine .... und ... und ach ja, natürlich auch ... Sie verstehen, was ich meine?!
Es war durchaus keine schlechte Zeit, nur ist man als Stadtkind doch ein wenig mehr - hm, nennen wir es „Rahmenprogramm“- gewöhnt.
Da steht man mittags schon mal vor verschlossenen Türen, wenn man was erledigen möchte und ein netter Samstagnachmittagsbummel fällt wegen der Schließung des „Kaufhauses“ um 16 Uhr auch aus. Der "Sex and the City"- Lifestyle ist also weniger zu zelebrieren. Das sind so Erfahrungen, die man in Berlin irgendwie nicht machen würde.
In Berlin bekomme ich eigentlich zu jeder Tages- und Nachtzeit die Nahrung, nach der mir gerade ist. Auf dem Land sollte man sich bis spätestens 21 Uhr überlegt haben, ob man z. B. einen Döner haben will, sonst hat bis auf Restaurants nix mehr auf. Nun werfen Sie vielleicht ein, dass man dann ja einfach etwas bestellen könnte. Dieser Service wird allerdings bis maximal 22 Uhr angeboten - außer wenn geschlossen ist.
Die Amerikaner haben uns MC Doof und Burger King "geschenkt" und auch Heide hat sich dieses Etablissement mit der außergwöhnlich schönen Architektur ins Städtchen geholt. - Eine kurze Frage: Wann verlassen Sie am Wochenende eine Party - wir gehen mal von einer richtig netten Party aus - wohl eher nicht vor 3 Uhr? ! - Ja... sollte Sie aber noch in einem der vorgenannten Etablissements Nahrung aufnehmen wollen, dann müssten Sie sich das aber vor 3 überlegt haben, in der Woche dann vor 1.
Wenn man sich mit diesen Gegebenheiten erst mal ein wenig angefreundet hat, dann kann man die wunderschöne Landschaft und das Meer genießen (wenn es denn da ist – ich habe es in dieser Zeit genau zwei Mal gesehen !!! ). Ach ja, wenn dort die Sonne scheint, dann geht einem schon das Herze auf (ausgeliehenes Zitat von Marianne und Michael). Nein, im Ernst, landschaftlich ist es wirklich sehr schön!
Womit man sich als Stadtkind im Alter zwischen 20 und (wahrscheinlich) 35 allerdings überhaupt nicht anfreunden kann, sind die wochenendlichen Öffnungszeiten des Bäckers. Da hat man gerade ausgeschlafen und freut sich auf ein Frühstück mit frischen Brötchen, fährt zu Bäcker (Sie merken die Spannungskurve steigt) und steht vor einem verlassenen Laden. Ungläubig blickt man auf das Schild mit den Öffnngszeiten, das einem sagt, dass dieser bereits um 11 Uhr zugemacht hat.
Und was jetzt auch nicht so der Bringer ist -> die Nahverkehrsmöglichkeiten. Entweder Sie trinken oder Sie fahren Auto ... oder Sie nehmen das Fahrrad. Nachts ist das unter Umständen aber eher die weniger intelligente Lösung, wegen der teilweise nicht vorhandenen Straßenbeleuchtung .... und dann verlassen Sie sich mal auf Ihr Fahrradlicht - Sie machen sich ja keine Vorstellung. Das ist Fahren nach Gefühl und Gehör. Wenn man irgendwo gegenstößt, dann hat man wohl die offizielle Straßenführung verlassen und wenn man sich dann im nächsten Moment noch fluchen hört, hat man sich gerade auf die Schnauze gepackt.
Ich habe es in meiner bisherigen 8jährigen Autofahrerkarriere geschafft, weder einen Igel noch ein Reh oder sonstige Tiere dieser Erde zu überfahren ... und dann fahr ich eines nachts mit dem Fahrrad nach Hause und erwische einen Frosch. (Blödes Gefühl und noch blöderes Geräusch .... man hat doch ziemlich guten Kontakt zum Untergrund ... argh) Obwohl, wenn ich mir es recht überlge, bin ich mit dem Frosch noch ganz gut dran. Ein Freund von mir ist – direkt vor mir mit dem Auto – in eine Kuhherde reingefahren .... ja, die stand da so auf der Schnellstraße rum.
Abgesehen von diesen Mißgeschicken habe ich eine echt nette Zeit dort verbracht und bin aber trotzdem wieder froh, hier zu sein.